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2011-Belarus

CVJM-Projektbesuch im belarussischen Minsk und im Dorf Sakowczina

Bangen und Hoffen zwischen grünen Hügeln

CVJM-Projektbesuch im belarussischen Minsk und im Dorf Sakowczina

9 Personen aus Stederdorf und Edemissen gehörten zur Delegation des CVJM Stederdorf und Umgebung e.V. (Christlicher Verein Junger Menschen), die vom 17. Mai – 22.Mai 2011 die weißrussischen CVJM-Partner in Woloshin und Gastkinder im Dorf Sakowczina besuchten. Im Rahmen des CVJM-Friedensnetzes engagiert sich der CVJM schon seit 1992 mit der Aktion „Ferien vom verstrahlten Alltag“ für Kinder aus einer durch die Tschernobyl-Katastrophe verstrahlten Region Weißrusslands.

Das kleine CVJM-Gästehaus am Rande von Woloshin war Ausgangspunkt für ein reich ausgefülltes Programm mit vielen Begegnungen, Gesprächen und Besichtigungen. Nach einem gemeinsamen Frühstück und einer kurzen Andacht begann das tägliche „Kultur-programm“, bei dem herzliche persönliche Gastfreundschaft und das überaus reichhaltige Essen der Gastgeber nicht zu kurz kamen.

Die „Gast-Familien“ aus Deutschland wurden in Rakow und Sakowczina herzlich begrüßt und mit einem bunten Musik- und Folkloreprogramm überrascht. Dort konnte der zur CVJM-Gastfamilien-Delegation gehörende Stederdorfer Ortsbürgermeister Gustav Kamps auch einen Blick in das Rathaus werfen. Frühlingswetter verlieh der von Flussläufen durchzogene Hügellandschaft, dem frischen Grün der Wälder und den bunten Häusern der kleinen Dörfer mit ihren vielen Storchennestern einen besonderen Reiz. In der Region Woloshin – Wischniwo und Rakow gab es bis zu deren Vernichtung im 2. Weltkrieg große jüdische Gemeinden. Die Benennung dieser schrecklichen Ereignisse blieb nicht unerwähnt.

Ein fachlich begleiteter Tagesbesuch in der durch Sauberkeit, viele Grünflächen und umfangreiche Neubauten auffallenden prosperierenden belarussischen Hauptstadt Minsk (ca. 2 Mio. Einwohner), fand durch den Besuch einer Ballett-Veranstaltung im dortigen Operetten-Theater einen festlichen Abschluss.

Die orthodoxe und teilweise auch römisch-katholische Kirche hat im Lebensalltag der Menschen an Bedeutung gewonnen. So konnten viele renovierte historische Kirchen und sogar ein neu eröffnetes Kloster von den Stederdorfern besichtigt werden.

Schließlich besuchte die deutsche Delegation im Dorf Dory eine eindrucksvolle Gedenkstätte für dort in einer Kirche durch deutsche Kriegseinwirkungen umgekommene Dorfbewohner, um gemeinsam der Opfer beider Weltkriege zu gedenken. Mit Hilfe des deutschen CVJM ist in Dory eine neue orthodoxe Kirche als Geste der Versöhnung errichtet worden.

Der eigene Kartoffelacker, Gemüseanbau und private Viehhaltung sind in Belarus für einen großen Teil der Bevölkerung überlebenswichtig, zu dem wird eine Wirtschaftskrise befürchtet. Ein langer und beschwerlicher Weg in die Demokratie und in die globale Wirtschaftswirklichkeit stehen noch bevor. Angst und Verunsicherung haben zugenommen.

Die Aktualität der 2011 auch 25 Jahre nach der Tschernobyl-Katastrophe noch messbaren Verstrahlungswerte in Weißrussland ist durch die tragischen Ereignisse in Japan wieder ins Bewusstsein gerückt. Vom 01.07. bis 19.07.2011 sind deshalb erneut 12 belarussische Kinder vom CVJM eingeladen „Ferien vom verstrahlten Alltag“ zu machen. Gegenseitige Besuche, Gespräche, Ökumene und Partnerschaften machen zudem Hoffnung für die Zukunft von Völkern, deren Vergangenheit vom Leid zweier Weltkriege geprägt ist.