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Katastrophenschutz

Regionale Sicherungs- und Unterstützungskräfte

Regionale Sicherungs- und Unterstützungskräfte (RSUKr) sind 30 nichtaktive, d. h. aus Reservisten gebildete und nur zu Ausbildung und Einsatz einberufene Truppenteile der Bundeswehr für den regionalen Heimatschutz. Sie gehören in der Streitkräftebasis zur Territorialen Reserve und werden truppendienstlich durch das Landeskommando des jeweiligen Bundeslandes geführt.

Die RSUKr sind die Nachfolgeorganisation der 2007 aufgelösten Heimatschutzbataillone. Die wesentliche Verkleinerung der Bundeswehr im Rahmen ihrer Neuausrichtung zog 2011 politische Bedenken über die zukünftige Gewährleistung des Heimatschutzes nach sich. Mit der „Konzeption der Reserve (KdR)“ vom 1. Februar 2012 wurden daraufhin die Aufstellungen von Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskräften beschlossen.

Am 15. Juni 2012 wurde in der Bremer Scharnhorst-Kaserne die erste Regionale Sicherungs- und Unterstützungskompanie, die RSUKp Bremen, durch den Bundesminister der Verteidigung im Beisein des Inspekteurs der Streitkräftebasis und des Präsidenten des Reservistenverbandes aufgestellt. Weitere Aufstellungen folgten 2013, sind aber noch nicht in allen Bundesländern abgeschlossen.

Die Personalstärke einer RSUKr-Einheit beträgt ca. 100 Mann, d.h. Kompanie-Stärke, sie wird als Regionale Sicherungs- und Unterstützungskompanie (RSUKp) bezeichnet. Deutschlandweit sind dafür derzeit 3228 Dienstposten vorgesehen.

Die RSUKr sind nach Aktivierung für einen kurzfristigen Aufwuchs der „Fähigkeit Unterstützung“ (Einsatz zur Unterstützung des zivilen Katastrophenschutzes bei schweren Naturkatastrophen oder Unglücksfällen) sowie für einen mittelfristigen Aufwuchs der „Fähigkeit Sicherung“ (militärische Wach- und Sicherungsaufgaben zum Schutz von militärischer Anlagen und Einrichtungen oder Veranstaltungen) und anderer Fähigkeiten geeignet. Die Unterstellung der RSUKr für den Einsatz erfolgt unter Berücksichtigung der vorgesehenen Aufgaben. Jeder wehrrechtlich verfügbare Reservist kann in die RSUKr beordert werden. Der Aufwuchs wird durch eine für den Einsatz notwendige Ausbildung und Ausstattung lagegerecht begleitet. Regional zugeordnete Patentruppenteile unterstützen die RSUKr. Die Organisationsstrukturen der RSUKr berücksichtigen regionale Gegebenheiten und vorhandene personelle Potenziale. Sie können bei Bedarf flexibel angepasst werden.

Quelle: Wikipedia

 

Modellerprobung für regionale Initiativen von Reservistinnen und Reservisten

Zivil-militärische Zusammenarbeit im Rahmen der Modellerprobung für regionale Initiativen von Reservistinnen und Reservisten (ModRegIniRes)

Reservisten aus dem Landkreis Peine nehmen seit 2008 an einer Modellerprobung für die Zivil-Militärische Zusammenarbeit teil, die im September 2009 beendet wird. In dieser Zeit war zu prüfen, ob es Einsatzmöglichkeiten für Reservisten zur Unterstützung ziviler Hilfskräfte gibt, wenn deren Kapazitäten erschöpft sind. Im März 2009 befasste sich die Reservistenarbeitsgemeinschaft (RAG) z.B. mit dem Tierseuchenbekämpfungsplan des Landkreises Peine und erarbeitete gemeinsam mit dem ABC-Zug des Landkreises Peine Möglichkeiten für die Unterstützung der zivilen Hilfskräfte. Die Ausbildung erfolgte unter maßgeblicher Beteiligung des Zugführers des ABC-Zuges des Landkreises Peine. Als Ausgangslage wurde eine Tierseuche angenommen, die sich im Wege der Übertragung auf den Menschen zu einer Pandemie entwickelt. Es konnten wichtige Erkenntnisse erzielt werden, die dem Landkreis Peine zur Prüfung vorgelegt werden. Eine besondere Rolle spielten dabei z.B. die Gefahren der Vogelgrippe sowie der Schutz der Einsatzkräfte vor einer Infektion. Dieser erste Teil der Ausbildung wurde vorrangig in der Theorie durchgeführt.

Am 5. und 6. Juni 2009 wurde der zweite Teil dieser Ausbildung auf dem Truppenübungsplatz Ehra-Lessien durchgeführt. Schwerpunkt in dieser Zeit war die praktische Ausbildung. So wurde das Anlegen der persönlichen Schutzausrüstung intensiv geübt. Dies war eine zwingende Voraussetzung für das im Anschluss stattfindende Spüren nach atomarer und chemischer Verseuchung des Geländes. Hierbei wurde ausschließlich auf bundeswehrtypisches Material zurückgegriffen. Es wurde festgestellt, dass aufgrund der Erkenntnisse aus der Ausbildung gemeinsam mit dem ABC-Zug des Landkreises Peine auch das Bundeswehrmaterial für den Einsatz bei Katastrophen oder schweren Unglücksfällen als Ergänzung zu den zivilen Hilfsorganisationen durchaus geeignet ist. Parallel dazu fand eine Rettungsübung statt. Eine verletzte Person war aus einem teilweise eingestürzten Übungshaus zu retten. Die anschließende sanitätsdienstliche Versorgung des Geretteten wurde unter den kritischen Augen eines Rettungssanitäters des Arbeiter-Samariter-Bundes aus Peine durchgeführt. Am Ende der Ausbildung auf dem Truppenübungsplatz äußerten sich alle Teilnehmer sehr positiv über die teilweise anstrengende und fordernde Ausbildung. Ein junger Kamerad, erstmalig dabei, war derart angetan von der Ausbildung, dass er noch an demselben Tag darum bat, in der Reservistenarbeitsgemeinschaft als vollwertiges Mitglied aufgenommen zu werden. Die Erkenntnisse aller Übungen der bundesweit teilnehmenden sieben Arbeitsgemeinschaften werden in einem Erfahrungsbericht zusammengefasst und im September 2009 dem Verteidigungsministerium übergeben.

Gerhard Bietz

Hilfsorganisationen Unterstützung anbieten

Modellerprobung für regionale Initiativen

„Der Reservistenverband hält keine Katastrophenschutzkräfte vor! Es wird auch kein neuer Schwerpunkt in der Verbandsarbeit gesetzt, sondern ein zusätzliches Unterstützungsspektrum geprüft!“ erläuterte Ralf Heberer unmissverständlich. Er ist Projektbeauftragter des Reservistenverbandes zur Modellerprobung für regionale Initiativen von Reservistinnen und Reservisten, die in Katastrophenlagen eingesetzte Kräfte unterstützen können. Heberer ist Oberstleutnant d.R. und Bereichsgeschäftsführer III.

Die RAG (Reservistenarbeitsgemeinschaft) „Einsatz und Unterstützungszug“ der Kreisgruppe Südheide hatte unter Leitung von Oberstleutnant d.R. Gerhard Bietz interessierte Reservisten zu einer Aus- und Weiterbildung in das Peiner Feuerwehrzentrum eingeladen. Auf dem Dienstplan standen Themen wie: Kurzeinweisung in den Katastrophenschutzplan des Landeskreises Peine im Hinblick auf Tierseuchenbekämpfung, ein Vortrag über Infektionskrankheiten und Schutzmaßnahmen sowie eine Vorführung des ABC-Zuges des Landkreises Peine unter der Leitung von Brandmeister Markus Meyne.

Der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Wolfgang Schneiderhahn, erteilte den Prüfauftrag mit der Maßgabe, ob bei Großschadenslagen unbeorderte Soldatinnen und Soldaten der Reserve eingesetzt werden können. Acht Initiativen innerhalb des Reservistenverbandes nehmen an dem Modellversuch teil, der bis zum 30. Sept. 2009 läuft.

Nach Auskunft des Projektbeauftragten Heberer sollen keine zusätzlichen Katastrophenschutzeinheiten aufgestellt werden. Geprüft werden sollen aber die Möglichkeiten der Unterstützung im Hinblick auf die Bündelung der Ressourcen. Außerdem sollen Erkenntnisse darüber gewonnen werden, unter welchen gesetzlichen Rahmenbedingungen Reservisten bei Großschadenslagen subsidiär eingesetzt werden können. Von Vorteil dabei ist die Verbundenheit der Reservisten mit ihrer Region und damit ihre Ortskenntnisse. Da auch Katastrophenschutzeinheiten bei zeitlich längeren Einsätzen an ihre Leistungsgrenzen stoßen, können die regionalen Initiativen bei Bedarf unterstützend wirken. Unbeorderten Reservisten wird zudem die Möglichkeit einer sinnvollen, freiwilligen Reservistenarbeit geboten.

„Wir informieren uns, betreiben Aus- und Fortbildung im Rahmen unserer Möglichkeiten und bieten dann gegebenenfalls Hilfe an!“ hob Gerhard Bietz hervor. So gestaltete sich auch die Ausbildung an diesem regnerischen Wochenende. Fahnenjunker d.R. Jörgen Hanecke, er ist Diplombiologe und Mitglied der RAG, hielt z. B. einen beeindruckenden Vortrag zum Thema Tierseuchenbekämpfung. Dabei gab er einen Überblick über Mikroorganismen, Virologie sowie Influenzaviren und wandte sich dann den Infektionsmöglichkeiten und Schutzmaßnahmen zu. Es folgten eine Einweisung in den Katastrophenschutzplan des Landkreises Peine und eine Vorführung des ABC-Zuges an, der unter Atemschutz eine Erkundung in einer „unklaren Lage“ durchführte. Allein hier zeigten sich schon Grenzen der Unterstützung auf. Unter Atemschutz zu arbeiten erfordert z. B. eine spezielle Ausbildung, die bei den meisten Reservisten jedoch nicht vorhanden ist.

Die Anwesenheit des Stellvertretenden Landesvorsitzenden, Oberstleutnant d.R. Hans Joachim Stegemeier, und des Landesgeschäftsführers, Oberstlt d.R. Jörg Most, zeigt das hohe Interesse des Landesvorstandes an dieser Veranstaltung. Weitere Informations- und Ausbildungsveranstaltungen sind in der Planung, gab Oberstleutnant Bietz abschließend bekannt.

Text/Foto: Horst Schell