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Entwicklung seit 2004Die Ausgangssituation in 2004 stellte sich so dar, dass im Rahmen der Transformation nahezu alle nichtaktiven Truppenteile aufgelöst wurden. Das Aufgabenspektrum der Bundeswehr erweiterte sich erheblich, was nicht ohne Auswirkung auf die freiwillige Reservistenarbeit bleiben konnte. Doch wohin sollte die Reise gehen? Konkrete Vorgaben gab es kaum, lediglich die „neue Aufgabe ZMZ“ kristallisierte sich heraus. Dennoch versuchten viele Kameradschaften am alten Konzept festzuhalten. Der Vorstand der Kreisgruppe Südheide entschloss sich zu einem Mix aus beiden Varianten, d.h. weiteres Anbieten – wenn auch in stark verringertem Maße – von militärischer Ausbildung in Form von Schießausbildungen, gleichzeitig aber Start der ZMZ–Ausbildung. Ich machte daher dem Vorstand verschiedene Vorschläge für die Gestaltung dieser neuen Ausbildung im Bereich ZMZ, denn wie gesagt detaillierte Vorgaben gab es zu dem Zeitpunkt noch nicht. Aus den allgemeinen Informationen zur ZMZ (I) und (A) ließ sich unschwer ableiten, dass es bei der ZMZ (I) u.a. auch auf die Unterstützung ziviler Organisationen im Katastrophenfall hinauslief. Für die Ausgestaltung dieser Ausbildung waren meiner Meinung nach jedoch personelle und inhaltliche Prämissen zu beachten. 1. Personelle Prämissen Freiwilligkeit der Teilnahme, denn nur wer aus innerer Überzeugung dabei ist wird auch konsequent zur Stange halten. Nach Möglichkeit Vorkenntnisse in der Katastrophenvorsorge. Bildung von zwei Teileinheiten (Kreis Gifhorn und Helmstedt und Kreis Peine), die im jeweiligen Einsatzfall den anderen Landkreis unterstützen können; immerhin sollten wir den zivilen Organisationen nicht die Einsatzkräfte entführen und gerade Kameraden/-innen, die z.B. Mitglieder der Feuerwehren sind, würden sich voraussichtlich für diese Ausbildung interessieren. Bereitschaft sich als Reservisten gemäß Weisung Lkdo Nds (damals noch VBK 23) im Katastrophenfall zur Verfügung zu stellen. 2. Inhaltliche Prämissen Herstellung eines einheitlichen Kenntnisstandes. Ausbildung und Einweisung auch in Grundfertigkeiten der zivilen Hilfsorganisationen; wie will ich als militärischer Vorgesetzter den Einsatz z.B. als Unterstützung der Feuerwehr bei einem Waldbrand verantworten, wenn ich meine Truppe vorher nicht wenigstens mit einer Mindest-Grundausbildung ausstatte. Einweisung in die Abläufe im zivilen Katastrophenschutzstab und in den KATAL des Lkdo Nds (damals noch VBK 23). Kombination mit der Ausbildung „aller Truppen“ aus dem Bereich FMF. Sicherlich handelt es sich um sehr einschränkende Prämissen, aber sie erschienen mir dennoch nötig, da sich die Bundeswehr strikt an den Leitspruch „die Bundeswehr bildet keine Soldaten im Katastrophenschutz aus“ hielt. Für eine Genehmigung als DVag war es daher nötig, die Ausbildung entsprechend zu gestalten und zu benennen. So plante ich SE-Ausbildungen in Anlehnung an die ABC/SE-Ausbildung, die zivile Ausbildungsanteile enthielt aber dennoch den militärischen Vorgaben genügte. So wurden folgende Ausbildungsinhalte aller Truppen ausgeplant: ABC/SE – Ausbildung a. Tr. Fernmeldeausbildung Pionierausbildung a. Tr. Sanitätsausbildung
Diese Ausbildungsinhalte wurden seit dem Jahr 2004 mit unterschiedlichen Gewichtungen in den Jahresausbildungsplan aufgenommen. Nach der „Gründungphase“ musste die Personalplanung vorgenommen werden. Ich entwarf daher die Personalplanung für einen KatS-Zug der Kreisgruppe Südheide, der Teileinheiten kongruent zu den kommunalen Landkreisen enthielt. Damit wurde von vorneherein ausgeschlossen, dass z.B. bei der Feuerwehr eingeplantes Personal eines Landkreises diese Einheit so schwächten, dass sie ihren Einsatzwert verloren hätte - es stand immer noch das Personal aus einem anderen Landkreis zur Verfügung! Hierzu wurde zunächst in Listen erfasst, wer an den einzelnen Ausbildungen teilgenommen hatte. Da wir uns fast alle persönlich kennen, war eine Gewichtung recht einfach. Es war schnell zu erkennen, wer sich mit der Materie auseinandersetzt und aktives Interesse daran hat. Letztendlich gab die Häufigkeit der Teilnahme ein wichtiges Indiz für die interne Einplanung. Nachdem das Personal durchgeplant war, musste die Ausbildung vorbereitet werden. Hier bot sich ein Aufbau in Modulen an, d.h. Ausbildungsabschnitte die inhaltlich aufeinander aufbauten. Dies wurde im Rahmen der Ausbildung mehrfach deutlich gemacht, wiederholende Passagen machten jedoch auch einen Seiteneinstieg möglich. Angestrebtes Ziel war eine Großübung auf dem Truppenübungsplatz Ehra–Lessien, die schließlich am 1. April 2006 durchgeführt wurde. Die konsequente Durchhalten der offizielle Aussage „die Bundeswehr bildet keine Soldaten im Katastrophenschutz aus“ führte diesen Ausbildungsansatz jedes Jahr wieder an den Punkt, was machen wir da eigentlich. Ergebnis war, dass die Teilnehmerzahlen sanken und die Beauftragung letztendlich an die Reservistenkameradschaft Herzog Ferdinand ging. Die Mitglieder dieser Kameradschaft stellten ohnehin gemeinsam mit dem Förderverein der Reservisten die TE Landkreis Peine, daher war der Auftrag hier gut aufgehoben. Nunmehr kann ich die Pläne aus 2004 und 2005 wieder entstauben. Dies ist natürlich erfreulich, auch dass man selbst im BMVg die Notwendigkeit nunmehr bejaht, ich hätte mir allerdings eine frühere Einführung gewünscht. Nun werden die einzelnen Teileinheiten neu ausgeplant, die Ausbildungsplanung muss nicht geändert werden, sie entspricht (übrigens seit 2004) voll und ganz den heutigen Vorgaben der Bw und des Verbandes! Gerhard Bietz OTL d.R. Ausbildungsübersicht2004 - Die Ausbildung erfolgte zunächst monatlich an einem Abend mit einem Zeitansatz von zwei bis drei Stunden. Später wurde der Ausbildungsintervall auf eine Ausbildung pro Quartal verringert. Es wurden Feuerwehr, THW, DRK, JUH und ASB vorgestellt und insbesondere auf die Einsatzführung eingegangen. Gemeinsam wurden Handlungsmöglichkeiten und Optionen für den unterstützenden Einsatz von Reservisten diskutiert. Parallel zu den Hilfsorganisationen (HIOG´s) wurde ein KATAL am Beispiel des VBK 23 dargestellt und erläutert. Insbesondere die Auswirkungen für die Bundeswehr wurden besprochen. Als praktischer Teil der Ausbildung in 2004 wurde eine Sanitätsausbildung durch einen Kameraden mit der Qualifikation Rettungssanitäter durchgeführt. 2005 - Schwerpunkte in diesem Jahr waren die Fernmeldeausbildung und die ABC/SE - Ausbildung mit materieller Unterstützung des Fördervereins der Reservisten. Nach einer allgemeinen Einweisung und vorgeschalteter, praktischer Stationsausbildung wurde eine Fernmeldeübung (Feldkabelbau) durchgeführt. Als Schwerpunkt wurde neben dem Herstellen von Verbindungen speziell das Annehmen und Weiterleiten von Meldungen anhand einer Einlagenliste durchgeführt. Die ABC/SE–Ausbildung fand auf dem Truppenübungsplatz Ehra–Lessien statt. Es fand eine Stationsausbildung mit dem Anlegen der persönlichen Schutzausrüstung sowie einer Notdekontamination statt. Das Retten einer verletzten Person aus einem, durch eine Explosion, stark beschädigten Haus (SE–Haus auf dem TrpÜbPl) sowie das Durchführen eines Spürauftrages mit einem Spürtrupp erfolgte jeweils in einer praktischen Übung. 2006 - Zunächst wurden ausgewählte Themen wiederholt, um die Vorbereitung auf die Großübung im April abzuschließen. An dieser Großübung auf dem Truppenübungsplatz Ehra-Lessien, die als Waldbrand- und Rettungsübung geplante wurde, nahmen ca. 88 Personen verschiedener Organisationen teil. Im Einzelnen waren dies die RK Herzog Ferdinand, der Förderverein der Reservisten, die RK Wesendorf, die Freiwilligen Feuerwehren aus Stederdorf, Wesendorf, Schönewörde, Betzhorn und Pollhöfen. Weiterhin waren beteiligt die Truppenübungsplatzfeuerwehr, die Berufsfeuerwehr Braunschweig mit einem Einsatzleitfahrzeug, die JUH, das DRK und die Führungsgruppe des KatS-Stabes des Landkreises Gifhorn. Zweiter Schwerpunkt in 2006 war der Hochwasserschutz. Es erfolgte eine allgemeine Einweisung in den Deichschutz und speziell das Befüllen und Verlegen von Sandsäcken in einer praktischen Übung. 2007 - Die Ausbildung in diesem Jahr beschränkte sich auf die Unterstützung von Reservistenwettkämpfen mit Stationen für ZMZ und Erläuterungen zur der Indienststellung der KVK und BVK. Ein Schwerpunkt war die Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen des Tages der Reservisten in Peine/Stederdorf am 27. September 2007. An dieser Veranstaltung nahmen neben der Feuerwehr das THW, der ABC–Zug des Landkreises Peine und das DRK teil. Im Rahmen dieser Veranstaltung konnten weitere Kontakte geknüpft und die Zusammenarbeit für 2008 abgesprochen werden. 2008 - Für Sommer/Herbst 2008 ist eine Jahresübung mit dem Schwerpunkt ABC/SE in Planung. Neben der Wiederholung der Ausbildungsthemen von 2005 soll auch der Bereich Brandschutz und Dekontamination integriert werden. Weiterer Schwerpunkt in 2008 ist die Öffentlichkeitsarbeit. Die Bevölkerung soll über die Notwendigkeit einer eigenen Notvorsorge zur Erhöhung der Durchhaltefähigkeit in den ersten Stunden bzw. des ersten Tages einer Katastrophe informiert werden. Absprache mit Feuerwehr und THW über eine „Mindest–Grundausbildung“ für Reservisten. Dabei führen die Hilfsorganisationen Ausbildung und Abschluss durch, um eine Grundqualifikation der Reservisten zu erreichen. 2009 - Die Ausbildung führen wir ab diesem Jahr in Kooperation mit der neu gegründeten Reservistenarbeitsgemeinschaft Einsatz- und Unterstützungszug der Kreisgruppe Südheide durch. Im Rahmen einer Modellinitiative, die wir im letzten Jahr dem stellvertretenden Kommandeur im Wehrbereich I Küste, Herrn Brigadegeneral Wolfgang Brüschke, vorstellen durften, sollen verschiedene Fähigkeiten und Möglichkeiten ausgelotet werden. Ziel ist die Aufstellung eines Zuges, der im Bereich der ZMZ (Zivil-Militärischen-Zusammenarbeit) die zivilen Hilfskräfte unterstützt, wenn diese an ihre Kapazitätsgrenze geraten. Am 7. März 2009 führten wir die Ausbildung bezüglich der Bekämpfung von Tierseuchen und Pandemien durch. Ein hochinteressanter Fachvortrag zum Thema Mutation von Viren am Beispiel der Vogelgrippe zog alle Teilnehmer in seinen Bann. In Zusammenarbeit mit dem verantworlichen Leiter des ABC_Zuges des Landkreises Peine diskutierten wir den Tierseuchenbekämpfungsplan des Landkreises sowie die Umsetzung der Einrichtung von Desinfektionsschleusen. Nach der überwiegend theoretische Ausbildung im März haben wir uns am 5. und 6. Juni 2009 mit der Praxis beschäftigen. Aufgrund der akuten Gesundheitslage wird zunächst der Fachvortrag in den wichtigsten Punkten wiederholt, um anschließend auf die sogenannte Schweinegrippe zu sprechen zu kommen. Danach erfolgt die dem Grunde nach militärischen ABC-Ausbildung, die allerdings auch auf den zivilen Sektor übertragen werden kann. Anlegen des Schutzanzuges, Notdekontamination, Spürausstattung und Markierung entlang eines Spürweges sollen intensiv geübt werden. Parallel zu dieser Ausbildung erfolgte an einer zweiten Station eine Übung zum Thema „Retten und Bergen“ sowie der integrierten Sanitätsausbildung. Am 17. Oktober 2009 haben wir die diesjährigen Ausbildungstage beenden. Gemeisam mit dem THW haben wir die Stabsarbeit geübt. Aufgrund der Anfrage des THW Braunschweig können wir hier unsere Erfahrungen weitergeben, ganz im Sinne der ZMZ. 2010 - In diesem Jahr lag der Schwerpunkt unserer Ausbildung auf den Gebieten Führen und Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen. Dazu wurde eine Jahresübung im September 2010 mit den Themen Aufbau einer Einsatzzentrale und Betrieb eines Fernmeldenetzes durchgeführt. Gemeinsam mit Werksfeuerwehr und THW wurde eine größere Lage bearbeitet. Die Zusammenarbeit mit beiden Organisationen gestaltet sich dabei hervorragend. Zusammen mit den Kameraden der Kreisgruppe Celle informierten wir uns beim WIS (Wehrwissenschaftlichen Institut) über den aktuellen Stand der A – Detektion sowie den möglichen Einsatz bei einem Terrorangriff. 2011 - Im Mai 2011 wollen wir die ABC/SE-Ausbildung aktualisieren. Eine Übung in dem ZMZ Stützpunkt Höxter (ABC Abw Btl 7) soll uns nach der theoretischen Ausbildung in 2010 beim WIS nun die derzeit der Truppe zur Verfügung stehenden Geräte sowie deren Einsatz näher bringen. Als Weiterführung dazu ist eine Zusatzausbildung beim WIS geplant, die spätestens in 2012 durchgeführt werden soll. Im Herbst werden wir gemeinsam mit dem THW Braunschweig eine praktische Übung zur Deichverteidigung durchführen. Dazu werden wir die in 2010 fertiggestellte Anlage des THW nutzen.
Gerhard Bietz, OTL d.R. |
AbkürzungenaTr: aller Truppen ASB: Arbeiter-Samariter-Bund BMVg: Bundesministerium der Verteidigung BVK: Bezirks-Verbindungskommando Bw: Bundeswehr DRK: Deutsches Rotes Kreuz DVAG: Dienstliche Veranstaltung EAKK: Einsatzvorbereitende Ausbildung für Konfliktverhütung und Krisenbewältigung ESGA: Einsatzspezifische Grundlagenausbildung FMF: Förderung militärischer Fähigkeiten HIOG's: Hilfsorganisationen IBA: Information, Betreuung, Auszeichnung IGF: Individuelle Grundfertigkeiten JUH: Johanniter Unfallhilfe KATAL: Katastrophenalarmplan KatS: Katastrophenschutz KVK: Kreis-Verbindungskommando Lkdo: Landeskommando Nds: Niedersachsen ROE: Rules of Engagement RK: Reservistenkameradschaft RAG: Reservistenarbeitsgemeinschaft SE: Selbstschutz TE: Teileinheit THW: Technisches Hilfswerk TrpÜPl: Truppenübungsplatz VBK: Verteidigungsbezirkskommando VVAG: Verbandsveranstaltung ZMZ: Zivil-Militärische Zusammenarbeit |



